Windows, nur zum spielen

IMG_3517_Ich muss gestehen, ich fühle mich schlecht. Nach fast 4 Jahren ohne eigene Windows-Instanz war ich indirekt genötigt worden, mir mal wieder ein Windows von Microsoft zu installieren. Der Beweggrund war simpel: Ich wollte ein paar alte Spiele mal wieder anspielen, um den ein oder anderen Winterabend mit Erinnerungen an meine Jugend zu erhellen. Denn außer mal ein wenig SuperTuxKart, zocke ich ja nun wirklich nix mehr … Nunja und da ich im Arbeits- und Familienumfeld auch Win 7 supporten muss, schadet es nichts das OS auch vor Ort zu haben.

Aber es gibt doch Wine!

Jap, das dachte ich auch und natürlich wollte ich wenn möglich eine Installation vermeiden. Allerdings war bereits Angry Birds in Darstellung und Wiedergabe arg unter Linux gestört, was ja bekanntlich ein nur ein kleines und eigentlich gut portables Spielchen ist. Auch bei Spielen, welche mich wirklich interessierten (Gothic 1, Dune Emperor) sah es wirklich schlecht aus und keines von beiden war spielbar 🙁

Der nächste Schritt war natürlich eine VM und da nutze ich bereits sehr lange VMware. Doch auch dort wollten die Spiele nicht laufen, trotz zahlreicher  Tricks und Konfigurationen die ich durchprobiert hatte. Nunja, also von LiveCD booten, Partitionen mit gParted verschieben und ein Windows installieren.

Welcome back Windows world

Ich muss gestehen, ich bin kein großer Freund von bashing und pauschalem bejammern von Produkten oder Ansätzen. In der Wirklichkeit gibt es meistens sowohl Nach- als auch Vorteile die einen dazu bewegen eine bestimmte Entscheidung zu treffen.

Allerdings muss ich auch sagen, dass ich nach mehrjähriger Abstinenz von Microsoft doch ganz schön enttäuscht bin. Im Jahr 2014 muss ich immer noch Treiber manuell installieren? Das heißt Rechner aufmachen, Hardware notieren und an 2. Rechner die (passenden) Treiber downloaden und auf USB-Stick packen. Weil man häufig sich irrt und etwas vergisst, das Ganze auch zwei oder drei mal… Dazu kommen natürlich solche Späße wie nicht signierte Treiber und endlose EULAs, welche vermutlich Normalanwender schon komplett abgeschreckt hätten? Garniert wurde die Ersteinrichtung dann mit 600MB Updates, deren Installation dann über zwei Stunden dauerte.

Also nochmal: Ich bezahle pro Versionsschritt etwa 100Eur, um mich dann mit Kopierschutz und all solchen Problemen rumzuschlagen? Sorry, aber ein modernes Linux erkennt meine Hardware vollständig, ist in 10min installiert und hat spätestens nach 30min sich auf den neuesten Stand gebracht. Anwendungen und OS versteht sich! Das Ganze für 0 Eur und getragen durch eine breite Community, welche nicht jeden Mist mitmacht.

Not feeling home

Nein, zu Hause fühle ich mich unter Windows schon lange nicht mehr. Da ich meine Spiele-Installation eben nur zum spielen brauche, ist das kein Problem. Allerdings auf Arbeit vermisst man doch sehr schnell einen vernünftigen Packetmanager, virtuelle Desktops und Dateidialoge und Gimmicks die einfach die Produktivität erhöhen. Mit VirtuaWin lassen sich zumindest virtuelle Oberflächen zurückholen und das noch allemal zweckmäßiger als das Microsoft Desktops können. Aber der Rest? Nunja, es gibt ja immernoch essentialfreebies.nu , wo zahlreiche Tools angeboten werden, die einem helfen den Alltag zu bewältigen. Allerdings können die nur sehr begrenzt die Designfehler des Betriebssystems wirklich ausgleichen. So ist aus meiner Sicht etwa die Python-Entwicklung dank des völlig kaputten Dependency-Managements immer noch ein Grauß, Dann eine schöne neue 64bit neben der 32bit Hölle, was für ein Schmarn…

Win trough open source

Umso erstaunlicher fand ich es einige Zeit, mal wieder von ReactOS zu hören. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere ja noch an das Projekt. Es versucht nicht weniger, als ein komplettes Windows nachzubauen und ist dabei schon erstaunlich weit gekommen. Dank VMware kann man das ja mal ausprobieren und ich muss gestehen, es fühlte sich erstaunlich nah an Windows 2000 / XP an und hat darüber hinaus sogar einen Softwarestore und soll wohl sogar schon komplexere Software wie Photoshop ausführen können. Obwohl das Projekt auf die Arbeit von vielen anderen (Wine, QEMU, …) aufsetzen kann, ist das in meinen Augen sehr beachtlich und ich würde mir wünschen, dass in 2 Jahren vielleicht sogar meine zwei Spiele unter einem freien Windows laufen werden 🙂 Und auch die offenen Clones von einst populären Spielen wie etwa OpenRA (C&C sowie Dune2000) werden ja immer besser und komfortabler. So kann man auch andere Plattformen, wie etwa die OpenPandora versorgen. Sehr skeptisch bin ich dagegen zu Entwicklungen wie Steam unter Linux, da man meiner Meinung nach komplett die Kontrolle über die Software, wie deren Aktualisierung und Weiterbetrieb an einen Konzern abgibt. Nicht auszudenken, wenn die ganzen Einkäufe über Steam für wirklich freie Entwicklungen, wie etwa 0.A.D. investiert werden würden. Naja, wer mehr zu dem Thema wissen will, schaut am besten auf holarse-linuxgaming.de

4 Kommentare

  1. avatar Throgh sagt:

    Hallöchen!

    Meinem Empfinden nach ist das hinsichtlich der erwähnten Spiele „Gothic“ und „Emperor: Battle for Dune“ nicht korrekt. Beide Spiele funktionieren bei mir unter WINE absolut perfekt. Da kann ich dir nur die Verwendung von PlayOnLinux empfehlen: Jedwedes Spiel in einer eigenen Sandbox und einmal als Wineprefix zum Laufen gebracht kann die gesamte Installation auf ein beliebiges System kopiert werden. Es bedarf dafür kein Windows. Eher umgekehrt ist hier meine Erfahrung: Je neuer das Spiel desto wahrscheinlicher ist der Zwang zum Microsoft-System. Alte Spiele funktionieren derweil perfekt. Selbst ein „Gothic 3“ kann ohne Probleme installiert und gespielt werden.

    • avatar Matthias sagt:

      Hmm, das ist ja komisch :/ Ich habe das normale Wine ausprobiert und mich dann noch ein bissel bei Ubuntuusers belesen, aber es wollte einfach nicht. Naja was solls, nun habe ich halt den Salat 🙂

  2. avatar Moritz sagt:

    „Sorry, aber ein modernes Linux erkennt meine Hardware vollständig, ist in 10min installiert und hat spätestens nach 30min sich auf den neuesten Stand gebracht.“

    Ich bin kein Linux-Profi, habe aber schon mehrmals Ubuntu auf diversen Rechner installiert. Treiberprobleme hatte ich soweit ich mich erinnern kann immer. In jedem einzelnen Fall. Das mag anders aussehen, wenn man sich super mit allem auskennt. Aber bei den meisten NutzerInnen ist das eben nicht der Fall. Von dem her zweifle ich stark daran, dass Linux-Distributionen in der Hinsicht wirklich nutzerfreundlicher sind.

    Aktuell nutze ich selbst gar kein Linux mehr, sondern nur Windows. Vor allem wegen der Spiele. Ich will nicht ständig neu booten und selbst viele der in Steam für Linux verfügbaren Spiele laufen unter Windows nach meiner Erfahrung deutlich flüssiger (und das, obwohl die meisten dieser Titel gar nicht so hohe Hardware-Anforderungen haben). Ganz zu schweigen von Titeln, die nur für Windows verfügbar sind.

    Wer viel am PC zockt (und zwar nicht nur freie Spiele), kommt glaube ich heutzutage in den seltensten Fällen komplett an Windows vorbei. Ich persönlich finde das auch nicht so schlimm – für mich ist am Ende wichtig, dass ich alles, was ich brauche, auf einem System beisammen habe. Bei Windows ist das zur Zeit am ehesten der Fall.

    • avatar Matthias sagt:

      Hmm, das ist komisch. Bei mir lief Ubuntu auch schon auf vielen verschiedenen Rechnern, aber soweit ich mich erinnere seit 10.04. wirklich überall ohne weiteres zutun. Aber klar, das kommt natürlich auf die Hardware drauf an und das auch bei neuesten Laptops immer gleich alles reibungslos läuft, kann ich mir auch nicht vorstellen 🙂

      Du sagst es ja selbst, für Gamer macht Windows wohl wirklich noch Sinn. Eigentlich ist das bei mir aber mitlerweile die absolute Ausnahme und die meisten anderen Arbeiten gehen mir mit einem Linux wirklich einfacher zur Hand.

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