VoIP tut gar nicht weh

Mobilteil eines Siemens Gigaset c470

Ich muss gestehen, ich bin durchaus von voice-over-IP sehr angetan. In meinem LAN läuft seit einigen Wochen eine schöne und interessante Lösung, zum Überbrücken des Telefonnetzes.

Bisher kannte ich VoIP eigentlich nur sehr spärlich. Über Skype irgendwie schon einige Jahre und unser Freifunk / Opennet Initiative hat ebenso wie unser hackspace schon eine ganze Weile passende Telefone, die dann direkt über das Internet mit den VoIP-Providern gekoppelt sind. Mit meinem neuen DSL-Provider hatte ich dann auch mal selbst die Möglichkeit mit dem mitlieferten Account und Softphones rumzuspielen. Erstaunlicherweise, funktionierte das auf Linux völlig ohne Probleme und in hervorragender Qualität.

Dieser positive Eindruck war für mich dann auch der Ausschlag, als wir letztes Jahr unser neues Wohnhaus auf dem Hof zogen und es galt zu überlegen, wie man hier die Telefonanbindung realisiert. Man kann natürlich einen neuen Anschluss legen, muss dafür aber hohe Kosten und Mühen in Kauf nehmen. Alternativ gibt die Möglichkeit ein internes Telekommunikationsnetz aufzusetzen, was neben dem bisherigen Telefon eben auch neue Apparate im neuen Haus integriert. Da es zwischen den Gebäuden bereits ein LAN-Kabel gab, stand VoIP nichts mehr im Weg.

In ersten Experimenten kam dabei als Telefon zunächst ein Grandstream DP715 und ein alter VoIP-Adapter von Cisco zum Einsatz (SPA122 ATA). Eine wirklich schlechte Wahl 🙁
Denn der Adapter lies sich partout nicht dazu bewegen, über sein Sprachinterface (IVR) entsperrt und eingestellt zu werden. An einem Reset-Knopf hat der Hersteller schlicht gespart. Das Telefon dagegen hatte ein derart spartanisches Webinterface, dass es weder eine Möglichkeit zur automatischen Konfiguration, noch zum vernünftigen Logging und debuggen bot. Also alles zurück auf Null!

Viel mehr Glück hatte ich da mit einer gebrauchten Fritzbox 7390 als Adapter zum Telefonnetz. Bisher erschien mir die Produkte des Herstellers AVM immer ein bissel zu gehypt und zu teuer. Ich muss aber gestehen, das Gerät bietet eine wirklich gut durchdachte und gewartete Firmware, wo es keinen Grund gibt das Manual zu konsultieren. Wer will kann, kann trotzdem auch alternative Firmware wie freetz aufspielen und das ganze etwa in eine virtuelle Asterisk Telefonanlage integrieren. Da gibt es also wenig zu meckern! Ebenso beim Nachfolge-Phone, einem Siemens Gigaset C470 IP, was zwar für mein Szenario viel unnötigen Spielkram enthält (Jabber Client, Multiprovider, …), aber letzten Endes sehr einfach einzubinden ist. Außerdem lässt sich das Webinterface gut automatisieren und so etwa das Telefonbuch mit anderen Quellen für Kontakte synchronisieren. Kurzum, nicht zu billig kaufen (aber gerne gebraucht) dann klappt es auch mit VoIP:

Diagramm Voip NetzwerkNun bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, um mehr aus der Konstellation zu machen:

  • interne Telefonate zwischen Häusern
  • weitere Telefone schnell integrieren
  • Telefonate per PC (Jitsi) / Smartphone (CSipSimple)
  • ….

Natürlich hat VoIP auch einige Nachteile. Neben der Sicherheit der Gespräche, darf man natürlich auch nicht die Ausfallsicherheit außer Acht lassen. Wenn LAN ausfällt, oder kompromittiert wird, ist auch gleich das Telefon mit betroffen. Ein Monitoring mit NAGIOS & Co kann also nicht schaden, genauso wenig noch Zugang zu einem alten Telefon 😉

2 Kommentare

  1. avatar Finn sagt:

    Hallo,

    danke für den Erfahrungsbericht. Ich habe hier ebenfalls noch ein Cisco SPA122 liegen und werde demnächst auch auf VoIP umsteigen. Das Webinterface sieht meiner Meinung nach in Ordnung aus und das Gerät sollte für ein einfaches analoges Telefon wohl reichen, oder?

    • avatar Matthias sagt:

      Ich denke schon, dass er prinzipiell ausreicht. Später kannst du ihn ja ggF. immernoch ersetzen.
      Mein Problem war eben der Zugang zur Box und das Teil zu resetten 😉

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